Ausgabe 
23.12.1972 (24.12.1972)
Seite
1970
 
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Montabaur -2-

In die deutsche Nachkriegsgeschichte wird das Wahljahr 1972 eingehen als das Jahr der Wiederkehr harter politischer Konfrontationen, ein Jahr, in dem sich das bundesdeutsche Volk spaltete - so tief wie nie zuvor. Polarisierung, die schärfere Artikulation von Meinungen, kann jedoch für eine Demokratie nur solan­ge nützlich sein, wie diese Polarisierung nicht von einer politischen Gegnerschaft in persönliche Feindschaft führt. Viele Wunden sind hier noch offen und müssen vernarben.

Im unmittelbaren Lebensbereich wurde das Jahr 1972 bestimmt durch die Auswir­kungen der Kommunalreformmaßnahmen. Eingemeindungen und die Bildung der Ver­bandsgemeinden veränderten die kommunalpolitische Landschaft. Die Beziehungen des Bürgers zu seiner Verwaltung wurden entscheidend verändert. Nicht die billi­gere, sondern die für den Bürger effektivere Leistungsverwaltung wurde in den Vordergrund gestellt.

Und das alles haben wir gemeinsam, erlebt.

Jedermann kennt heute den engen Zusammenhang von Politik und Wirtschaft, von allgemeinem Wohlstand und privatem Glück, jeder erkennt auch seine wohlverstan­dene Abhängigkeit von der Dienstleistungsverwaltung.

Können wir trotz allem voller Hoffnung in die Zukunft blicken?

Hoffnung - das heißt für den Einzelnen: Persönliches Wohlergehen, ein Leben ohne Angst und Sorge, die Befriedigung aller Bedürfnisse des Alltags und die möglichst kostengünstige Inanspruchnahme des großen Leistungsangebots aller Ver­waltungsebenen.

Diese Hoffnung setzt aber auch Vertrauen voraus. Vertrauen in die politische Zu­kunft des Landes, in die wirtschaftliche Vernunft der Regierenden, der Unterneh­mer, der Gewerkschaften und der Bürokratie.

Das in alle Vorgenannten gesetzte Vertrauenskapital ist möglicherweise geschmol­zen. Dieser Schwund muß im Jahre 1973 wieder wettgemacht werden. Wie ?

Durch eine Versachlichung der Politik, frei von Emotionen. Durch eine Politik mit der Zielsetzung: Stabilität im Innern und Sicherheit nach Außen.

Auch für eine sachbezogene Kommunalpolitik zum Wohle der Bürger unseres Nachbarschaftsbereiches muß eine breitere Basis des Vertrauens gefunden werden.

Und all das unter der Maxime: Nicht mehr wagen - mehr wägen!

Die menschliche Seite dieser großen Zukunftsaufgaben ist nur mit der Hilfe der Bürger unseres Landes, unserer Verbandsgemeinde sowie unserer Städte und Ge­meinden zu lösen.

Das Weihnachtsfest sollte diese Erkenntnis in uns vertiefen und uns zu neuen Taten helfen.

Im Namen der Verbandsgemeindevertretung, des Stadtrates und der Verwaltung

wünsche ich allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern ein frohes Weihnachtsfest und viel Glück im. Neuen Jahr 1 97 3.

W. MANGELS Bürgermeister.