Ausgabe 
1.12.1972
Seite
1934
 
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Montabaur - 6 -

MONTAG, 4.12. Barbaratag

7.00 Uhr: Hl. Messe für ++ Eltern Christian und Fran­

ziska Ferdinand.

I 6.00 Uhr: Meßdienerrunde

DIENSTAG, 5.12.

7.3o Uhr: Srifrungsmesse.

MITTWOCH, 6.12. Nikolaus, B. von Myra:

17.oo Uhr: in Klhb.: Hl. Amt für Wilhelm Quirmbach

DONNERSTAG, 7 .12. Ambrosius, B. K. L.

19.3o Uhr: Hl. Amt für Peter und Therese Rüster.

FREITAG, 8.12. Hochfest Mariä Unbefleckte Empfängnis Erwählung Mariens.

7 .3o Uhr: Hl. Amt für Benno Wolf und Thea Quirm­

bach.

SAMSTAG, 9.12.

7.oo Uhr: Stiftungsmesse

19.oo Uhr: Hl. Amt als Jahresgedächtnis für Johann Ehl.

STAHLHOFEN

KIRCHLICHE NACHRICHTEN

Erster Adventsonntag, 3. Dezember 1972 Beginn des neuen Kirchenjahres.

8 .oo Uhr: Amt für Maria Elisabeth Mies

14.oo Uhr: Andacht der Rosenkranzbruderschaft

4. 12. MONTAG (Hl. Barbara)

7.45 Uhr: Hl. Messe für Mathilde Giller und ++ Ange­

hörige,

5.12. DIENSTAG

7.45 Uhr: Schulmesse für die + Frau Josefine Pogge-

mann

6.12. MITTWOCH (Hl. Nikolaus)

7.45 Uhr: Hl. Messe für die Lebenden und ++ der

Rosenkranzbruderschaft

7.12. DONNERSTAG (Hl.Ambrosius)

7.45 Uhr: Jahramt für Aloisia Müller und Frau Anna

Müller

8.12. FREITAG (Erwählung Mariens; Unbefleckte Empfäng­

nis)

I 8.00 Uhr: Amt z.E. d. unbefl. Herzens Mariä f. Lebende

und -*-+ der Familien Pehl und Merzig

19.30 Uhr: in Ettersdorf: Zweites Sterbeamt für Heinrich

Wolf.

9.12. SAMSTAG

I 6.00 Uhr: Beichte

18.30 Uhr: Vorabendmesse als Amt für Eva Veltens

lo. 12. Zweiter Adventsonntag

lo.oo Uhr: Hochamt für die Lebenden und ++ der Fa­

milie Becker und Born

Ein Tag mit Briefträger Meier!

Fortsetzung!

9.oo Uhr: "Unser Bezirk", wie ich ihn jetzt schon

nenne, bietet eine bunte Mischung: einige Hochhäuser, zahlreiche Einfamilienheime, alte Mietburgen, Geschäfte, Büros. Herr Meier scheint beliebt zu sein bei seinen Kunden, und ich habe fast den Eindruck,als ob auch er seinen Beruf liebt. Als ich ihn danach frage, lacht er: "Was bleibt mir ande res übrig? Aber wenn man zu den Menschen ein bissei nett ist, sind die meisten dafür so­gar dankbar. Einige Querulanten muß man einfach ertragen".

lo.oo Uhr: Ich bekomme Hunger. In alten Postgeschich­ten habe ich gelesen, daß die Landbriefträger in früheren Zeiten von Frühstück zu Frühstück marschiert sind. Heute scheint es anders zu sein. Ich erkundige mich vorsichtig bei Meier, aber er winkt ab: "Kaum noch drin hier. Auf dem Lande vielleicht. Der Briefträger ist auch in den Augen unserer Pocrknnden ein Leistungs - i beruf geworden, bei dem es auf Zeit und Zu- ! verlässigkeit ankommt. Da wagen sie es gar ! nicht immer, uns etwas anzubieten. In der Bierstube um die Ecke machen wir aber gleich einmal Frühstückspause".

ll.oo Uhr: Das Bier für uns beide habe ich bezahlt. Auch Freibier ist nicht üblich. Der Wirt schimpfte über die letzte Gebührenerhöhung bei der .

Post. Herr Meier versuchte, seine "Firma

zu verteidigen. Als der Wirt meinte,die Beam- j ten verdienten zu viel, nannte er ihm sein ' Bruttogehalt. Aber der Wirt hatte nicht die Beamten von der Post,sondern "die von unseren I Steuern leben" gemeint. Er erkennt zum Schluß an, daß gerade die Postler seit dem ; letzten Krieg viel geleistet haben. Das Image der Bundespost scheint also gut zu sein.

12.oo Uhr: Mit den Kunden, auch mit den schwierigen, I

kommt mein "Kollege gut klar. Er erklärt, j

hilft und erteilt Auskunft, wo es angebracht erscheint. Alte Menschen stehen oftmals dem modernen Postleben hilflos gegenüber: Empfangsbescheinigungen in den richtigen Spalten abgeben, Fristen beachten, nebenbei noch Ratschläge für den Umgang mit anderen Behörden erteilen. Ein Briefträger ist für viele eben noch der bekannteste "Verbindungsmann" zum Vater Staat, auf dessen Wort man hört.

Eine alte Frau fragte ihn sogar, was sie wäh­len soll. Aber Meier meinte, in seiner Eigen­schaft als Beamter im Dienst sei er unpartei­lich, und sie solle man gut im Fernsehen zu­schauen, wenn die Parteikandidaten miteinan­der diskutieren würden.

12.3o Uhr: Wir sind wieder beim Postamt angekommen.

Quittungen und Geldscheine, Münzen und nicht zugestellte Sendungen sind zu ordnen, zu zählen, abzuliefern. Die Ablieferung der Gelder ist eine ganz spannende Angelegenheit, denn dabei entscheidet es sich, ob man ein Minus gemacht hat und aus seiner eigenen Tasche den Fehlbetrag hinzulegen muß. Bei Meier stimmt es. Niemals habe ich vermutet, daß soviel Buchhaltertätigkeit mit dem Beruf eines Briefträgers, eines einfachen Briefträgers, verbunden ist. Menschenfreund, Buchhalter, Schwerarbeiter, Langstreckenläufer, Handschrif­tendeuter... und das alles für 1.2oo DM brutto im Monat. Ich muß sagen, daß meine Hochachtung gestiegen ist. 6 Zustelltage in der Woche, von Montag bis Samstag, das ist schon eine respektable Leistung. Wenn Rund­funk- und Fernsehgebühren einzuziehen sind, dauerts übrigens erheblich länger als heute.

Von den Monaten November und Dezember ganz zu schweigen. Das sagt jedenfalls Brief­träger Meier, und ich habe keinen Anlaß,ihm nicht zu glauben.

13.oo Uhr: Alles abgeliefert und "Feierabend". Herr Meier fragt was ich mir anders vorgestellt habe.

Ich überlege einen Augenblick, dann sage iclr "Wo sind eigentlich die grünen Witwen, von d«. ren Briefträgerhunger man immer in der Zei­tung liest". Er schmunzelt. Nach einer Weile antwortet er: "Das sind meist Erfindungen von Romanautoren", blinzelt mir noch einmal zu und geht - noch immer schmunzelnd - nach Hause. Ich bin mir nicht ganz im klaren, ob er wirklich die Wahrheit gesagt hat.Aber um das herauszubekommen, Briefträger werden?

Nein, lieber bleibe ich bei meiner Schreibma­schine.