Ausgabe 
27.8.1971
Seite
1164
 
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Der Limes in einem Gedicht des 16 . Jahrhunderts.

Gaius Julius Caesar (lob - 44 v. Chr.) hatte in den Jahren 58 - 51 ganz Gallien unterworfen. Der Rhein war so seit der | Mitte des letzten vorchristlichen Jahrhunderts Grenze des Römerreiches geworden.

-Caesar überschritt zwar mit seinen Trup- |pen bei Urmitz zweimal den Rhein (55 und 53); doch ge­lang es ihm nicht, die Germanenstämme entscheidend zu {schlagen und unter ständige Kontrolle zu bekommen. Die offene Rheingrenze gefährdete seine militärischen Erfolge, insoweit er solche jenseits des Rheins überhaupt jemals er­rungen hat. In nicht allzuferner Zeit mußten die ferner den weiteren Ansturm von Germanenvölkern gegen ihr Reich ' erwarten, in unserem Heimatgebiet den Angriff der Sueben und Chatten, sowie nach dem bekannten Verrat Caesars der Usipeter und Tenkterer und dann der Ubier. Die Römer sicherten daher das durch sie besetzte Land durch ein System von Militärstraßen, die vom Mittelmeer her durch Gallien bis an den Rhein und über diesen hinaus führten.

Nach der Ermordung Caesars (44 v.Chr.) trat ein Kaiser­reich an die Stelle der Römischen Republik. Kaiser Augu- .stus (63 v. Chr. - 14 n.Chr.) weilte selbst lange genug in Gallien, um die ständige, starke Bedrohung des Römer­reiches an der offenen meingrenze zu erkennen. Unter Drusus (38 - 9 v.Chr. ), Tiberius (42 v.Chr. - 37 n. Chr.) und Germanicus (15 v. Chr. - 19 n.Chr. ) drangen die Römer in Heerzügen selbst bis zur Elbe vor; doch der Ge­gendruck von Germanen war nicht weniger stark. Er ver­stärkte sich ständig und stetig. Rhein und Donau war be­sonders gefährdet. Domitian (81 - 96 n. Chr.) sicherte die­sen durch die Anlage des obergermansich-rätischen Limes, einer befestigten Grenzlinie, die, soweit sie tinsere Hei­mat durchzog, von Rheinbrohl über den westlichen und südwestlichen Westerwald nach Ems und von hier aus durch den Taunus nach Südosten bis Kemel führte und dann nach Osten zum Feldberg und zur Saalburg zog.

Der Limes Romanus (limes, lat. = Feldrain, Schneise) wurde als Grenze des Römischen Reiches durch Flüsse oder Gebirge oder durch eine möglichst geradlinige Grenzstraße auf einem Wall gebildet. An dieser errichtete riian vor allem zur Sicfcherung von Zugangs - und Ausfallstraßen in bestimmten Abständen steinerne Wachttürme. - Ent­sprechend gestaltete Türme als Rekonstruktion sind heute bei Arzbach und Sayn wiedererrichtet. - Später, bis zu seinem Fall um 26o n. Chr. wurde der Limes auch mit Palisadenwällen, Gräben und zum Teil mit Steinmauern befestigt. Die Wachttürme hatten in unserer Heimat ein Untergeschoß aus meist unbehauenem, an Ort und Stelle gewonnenen Bruchsteinmauerwerk. Ein Turmeingang lag in einiger Höhe von der Erdoberhöhe entfernt und wurde durch eine Leiter erreicht. Im Obergeschoß des Turmes aus Fachwerk mit starkem Holzwerk lief eine diesen um­ziehende Galerie. Von ihr aus mußten die Wachtposten nach allen Seiten freie Sicht haben und halten. Reste solch alter Türme aus der Römerzeit sind am Limes im westli­chen und südwestlichen Westerwald noch im Grundmauer- werk oder in Erdhügeln sichtbar. Ebenso sind in unserer Heimat auch Wallaufschüttungen des Pfahlgrabens noch über längere Strecken hin erkennbar. Vorgeschobene klei­nere Erdwerke wurden durch Kohorten-Kastelle gesichert. Von dem Pfahlgraben aus schnell erreichbar lagen im rückwärtigen Bereich größere Römer-Kastelle mit starker Truppensicherung.

In der Süd-Nord-Richtung erreicht der Limes den unteren Westerwald bei Ems und berührt den heutigen Unterwester­waldkreis am "Weißen Stein" bei Arzbach" er zieht dann nach einer rechtwinkligen Biegung an der Nordseite des nördlichen der "Arzbacher Köpfe' vorbei. Der Pfahlgraben berührt dann den Welschneudorf-Arzbacher Weg, zieht diesen entlang und schließt das Pfahlgraben-Kastell Augst ein. Er folgt dem Waldrand, zieht der Feldflur nach und erreicht einen Flurweg, der als Hohlweg nördlich der Augster Kirche in den Arzbacher Kirchweg einmündet. Jen­seits dieses Weges führt der Grenzgraben durch die Felder bis zur Straße von Koblenz nach Montabaur. 4)stlich von Neuhäusel, in der Nähe des Butterweges, überquert der Limes diese Straße', schlägt einen spitzen Winkel und wen­det sich den Abhängen des Platzertales zu. Er führt dann um den Eitelborner Kopf und immer weiter, bis er den

Rj.ehtweg zum Scheidborn kreuzt. Von hier aus zieht er wei­ter westwärts und wird hier "Heidengraben" genannt. Ober­halb der Pembermühle erscheint er wieder auf der Landspitze auf eine kurze Strecke. Ein Stück weiter wird er wieder sicht bar und folgt dann der Grenze zwischen dem früheren Regie­rungsbezirk Montabaur und dem alten Regierungsbezirk Koblenz, er bildete also die Grenze zwischen den frühren preußischen Provinzen Rheinprovinz und Hessen-Nassau.

Palus-Pfahl, in der Übertragung des Begriffes Pfahl auf einem Erdwerk oder einem Wall gaben dem Pfahlgraben seinen Na­men. Die erste urkundliche Erwähnung dieses Wortes "Pfahl findet sich bereits in der bekannten Zehnturkunde der Kirche zu Rengsdorf aus dem Jahr 847. Dasselbe "phal" als die Be­zeichnung der römischen Grenzwehr, des Pfahlgrabens, fin­det sich auch in einer im Jahr lo43 vom Mainzer Erzbischof Bardo ausgestellten Bestätigung einer Schenkung des Erzbi­schofs Willigis über die Kirche zu Schloßborn. Der Limes wird bezeichnet als ein locus "qui dicitur phal". In unserer Heimat gibt es auch sonst noch eine große Anzahl Von Orts­oder Flurnahmen, in denen man das Wort "Pfahl"'erhalten glaubt: so in Pohl, Pohlbach, Fahlbach, Fuhlbach (Adolfs.' eck), Pohlfeld (Lindschied), auf dem Pohl (Kemel).

Auch der um 15oo geborene Theologe und Dichter "Erasmus Alberus, ein Freund Luthers, der am 5. Mai 1553 starb, erwähnt in seinem 155o veröffentlichter* "Buch von der Tugend und Weisheit", das aus Fabeln besteht, in der 25. Fabel den Pfahlgraben wie folgt:

"Rings umbher ligt ein großer Waldt,

Darumb die alten Heyden haben bei zehen meil umbher gegraben Eine lange zeit, eh Jesu Christ Auff erden mensch geboren ist.

Den graben man noch sehen kann,

Er wird genannt von jedermann Der Polgrab, und zur linken handt Reicht er biss in das Hessenlandt,

Zur rechten handt biss an den Rhein Das kan ein langer Polgrab sein.

Derselbig grab vergeht nun sehr,

Derweil man seiner acht nicht mehr,

Das alter so feindtselig ist,

Beid, zeit und alter, alles frißt".

- Walter Kalb -

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Das Talent arbeitet, das Genie schafft.

Robert Schumann

Was man von der Mutter hat, das sitzt fest und läßt sich nicht ausreden.

Raabe

Im Unglück erst bewährt sich Männerkraft, und Freundes­treue prüft man meist im Sturm.

Körner

I

Die Menschen werden'nicht durch ihre Handlung selig, sondern durch Anpassung an den Katechismus.