Ausgabe 
5.2.1971
Seite
749
 
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LACHTRÄNEN BEI DER HEITERKEIT

Der große Saal im Kolpinghaus zu Montabaur ist noch viel zu klein, wenn die "HEITERKEIT eine Sitzung startet. Schon lange vorher ist jeder Platz "verkauft.So auch am vergangenen Sonntag.Und schon bald nach der Saalöffnung herrschte eine drangvolle Enge.

Die flotten Weisen der FINKEN " eröffneten pünktlich den bunten Reigen der Veranstaltung und präzise um 2o,ll Uhr ertönte das Signal "Vorhang auf !" Unter dem brausenden Jubel der Zuschauer betrat der Elferrat die Büh­ne. Wenn Präsident Gerd Rossbach noch zu Anfang der ersten Sitzung sein Publikum um Nachsicht bat, weil er Debütant " sei, so hat er bis zu dieser zweiten Sitzung rasch gelernt, was ein Präsident der Heiterkeit seinem när­rischen Volk zu sagen hat. Voller Witz und Humor sprühte seine oft doppelzüngige Rede, quicklebendig und sprühend vorgetragen und von den Zuhörern mit großem Applaus honoriert. Und um es gleich vorweg zu sagen: Trotz der

f roßen Belastung, die eine Sitzung für den Präsidenten be- eutet, blieb Gerd Rossbach bis zum späten Schluß der Sit­zung frisch und quicklebendig, frei von Ermüdungserschei­nungen und jeder Zoll Der Präsident ".

Bürgermeister Mangels wurde von ihm besonders begrüßt, und dem städtischen Fakir hatte er einen passenden Nagel­sitz zu präsentieren, der -mangels kissen - beim Stadtrat auf den Stühlen ausprobiert worden sei, wobei die Stadt­räte " wie eine Eins gestanden hätten ",

Die Prinzenfanfare kündete den Einzug Seiner Tollität Prinz UWE I. in der Narrhalla an, an seiner Seite sein wackerer Hofmarschall Reinhard SONNENSCHEIN. Begei­stert sang und schunkelte das ganze närrische Volk mit sei­nem Prinzen: du sollst mich lieben für drei tolle Tage!

DIE KLEINEN AMAZONEN

eröttneten das reiche Programm mit einem Tanz nach der Sandmännchen-Melodie, sauber und gekonnt wie die Gros­sen vorgetragen. Ein hoffnungsvoller Nachwuchs für die HEITERKEIT. Frau Wiegand betreut diese kleinen Mädchen mit viel Freude, aber auch mit viel Arbeit und Mühe.

EINE N ASTRONAUTE N

konnte Präsident Rossbach dann dem närrischen Auditorium vorstellen, der von der Bütt herunter von seinen Erlebnissen berichtete. Eindrucksvoll schimmerte sein Anzug in blankem Silber. Seine Rede aber strapazierte die Lachmuskeln seiner Zuhörer. Hans Georg Zechmann verbarg sich unter dem Sturzhelm; der Präsident verabschiedete ihn mit dem be­ziehungsreichen Lied: " Fliege mit mir in den Himmel hinein "!

F IN MA NN BLEIBT HALT EN MANN behauptete Sigfried Homann, und Christel Theis unterstützte ihn .joch - allerdings auf echt weibliche Weise - in seiner Meinung. Ein gut gekonnter Vortrag, der zudem auch noch von beiden im Biedermeierkostüm, lebensecht vorge­tragen wurde. Im Publikum quollen die ersten Lachtränen und unter dem stürmischen Applaus verabschiedete Präsi­dent Rossbach die beiden mit " Kornblumenblau "!

EIN KLEINER SOMMERSPROSSIGER BUB

stand in der Öütt. Ein echter Debütant." Der Prototyp des pfiffigen Lehrlings. Hans Georg Schäfer als "Bäckerblume" zeigt weder Angst noch Scheu und mit listiger Miene brachte er seine Anekdötchen vor. Die Zuschauer waren begeistert. Aber was Wunder, es ist ja auch der "Stift" vom Homann !!

DAS SÄNGERTRIO

durfte auch aut dieser Sitzung nicht fehlen. Sanner, Altenh, und Roos sind es, die mit ihren Versehen das Zeitge­schehen glossieren. Und hier weiß man nicht recht, ob der Präsident richtig beraten war, als er sie mit dem Lied " von den Sängern im finsteren Walde "verabschie­dete. Kaum waren die Gesänge verhallt, so erschienen

G E S T R E B S_E_L__U_N D_ Z IP P E R L E_I N_ aür"derBiiTfne, zwei modische 'SFüFzer, die in launigen Versen die kleine und große Politik beleuchteten. Und wer weiß, daß es sich bei den beiden um F. J. Löwenguth und Bahl handelte, der weiß auch, daß hier zwei Bütten­asse am Werk waren, wie man sie echter weit und breit nicht finden kann. Die Zuhörer bogen sich vor lachen.

Hier schien das Abschiedslied schon angebracht: "Der

schönste Platz ist immer an der Theke !"

Zweimal elf Minuten Pause waren schon notwendig, um ^ die verrenkten Lachmuskeln wieder an ihren rechten Platz zu bringen.

Kaum war der gesamte Hofstaat nach der Pause wieder an seinem Platze, so begannen die lustigen Strapazen von vorne.

DEN REIGEN

eröttnete Frau G. Altenhoven mit ihrem humorvollen Liedvortrag. Sie brachte sogleich Schwung in die Reihen. Herzlicher Applaus dankte ihr für die gelungene Darbie- tung. .

DOC H SOGLEICH VERKÜNDETE I

Präsident Rossbach in seiner schwungvollen Art, daß die ff

Symbole der Stadt Montabaur, die Schusterboobe, auf die- $ ser Sitzung nicht fehlen dürften. Und da waren sie auch schon, Hans Georg Zechmann und Josef Bahl, am Schustei- tisch. Und was die alles aus den Schuhsohlen herausklopf­ten!! Sogar die Schuhe von Bürgermeister Mangels fehlten nicht, die sie mit besonders dicken Sohlen belegten, weil der "Weg in die Verbandsgemeinde doch so weit und so steinig sei ". Na, wer da nicht vom Lachen geschüttelt wurde! und beziehungsreich sangen die Zuhörer "Trink, Brüderlein, trink!" als die beiden ihren Vortrag beendet hatten. Aber dann kam es einmal ganz anders. Denn nun betrat unter dem Jubel der Zuschauer eine würdige Damel den Saal

TANTE CHRISTINE

ging in die Bütt. Und wie ! mit vornehmer schwarzer Robe, mit großem Schlapphut, mit Busen und Rundungen.Aber aus ihrem Munde tönte die sonore Stimme von Siegfried Homann. Da stand das Unikum - gewichtig in der Bütt und zog mit Seelenruhe die Puderdose aus der Handtasche und puderte sich " das Näschen ".während allein durch diesen urkomischen Anblick unten das Publikum sich den Bauch hielt vor Lachen. Und was Tante Christine dann alles von ihrer Tätigkeit als Auskunftstante bei der Zei­tung zu berichten wußte ! !

Kaum hatte sie ( er ) mit gewichtigen Schritten den Saal verlassen, so hatte sich auf der Bühne

DER POSTBOTE

eingefunden. Gerd Rossbach bewies, daß er nicht nur ein glänzender Präsident im Elferrat sein kann, sondern, daß er auch zu den Büttenassen zählt. " Das Postgeheimnis j muß natürlich in jedem Falle gewahrt bleiben, meinte er, und darum öffnete er die diversen Briefe auch nicht,son- j

dern hielt sie einfach gegen das Licht, so ihren Inhalt er- , spähend.Was da so alles zu lesen war !Eine besonders schlimme Nachricht kam aus Dauborn, wo man den Konkurs der Dauborner Schnapsbrennerei befürchtete,seit dem Ho- ; manns Hännes kein Schnaps mehr trinken durfte. !

Niemand brauchte sich im Saal die Haare auszureißen, denn in der Bütt war nun

DER H O F FR IS E UR erschienen. Die Büttenkanone Franz Josef Löweliguth.Fr scherte nicht alles über einen Kamm, denn zu seinen Kunden zählte auch Dekan Breidling.dem er die Haare "locken"sollte wie bei Bürgermeister Mangels. "Locken will ich sie schon"meinte Franz Josef," aber, ob sie auch kommen?" Und so ging es Schlag auf Schlag, und dann mußte er doch bekennen,daß seine neu erfundene Maschine alle Köpfe schnell u.gleichmäßig schneidet, 's Als dann ein Skeptiker meinte, das sei gar nicht möglich weil doch nicht alle Köpfe gleich seien, antwortete er gleichmütig: ja, vorher nicht!" Auf der Bühne war die

HIMMLISCHE D REHORGEL aufgebaut.

Man kann dieses Bild nicht gut mit Worten beschreiben, man muß es gesehen haben.Diese drei Orgelengel in ihren langen Nachthemden, die sich im Takt der Musik bewegten, verkörpert mit ihrem Orgelmann v.German,Schneider,

Käuper u.Theis. Ein Moritatengesang sondergleichen. Ur­komisch, witzig von der Idee her und einfach zum tot- lachen.Wer es gesehen hat, versteht, warum sich Präsi­dent Rossbach wunderte, wie diese drei zu ihrem Heiligen­schein gekommen wären.

So klang diese herrliche Sitzung aus. Ein Narrenabend voll Spaß und Freude und mit HEITERKEIT.