Ausgabe 
30.7.1970
Seite
344
 
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Ein tropischer Import: Der Papagei

Seit dem letzten Krieg waren wir um einen der amüsantesten exo­tischen Stubengenossen ärmer: den Papagei, der wegen der nach ihm benannten Viren-Krankheit nicht eingeführt werden durfte (obwohl auch Sittiche, Kanarien­vögel, Tauben und Hühner emp­fänglich für die gleiche Krankheit waren). Doch das ist nun vorbei. Eine Antibiotika-Behandlung, wel­che die Virengefahr beseitigt, öff­net seit kurzem den prächtig bunt­gefärbten und sprachgewandten Krummschnäblern aus lyiittel- und Südamerika, Äquatorial-Afrika, Südost-Asien und Australien (Edelpapageien, Amazonen, Mohrenköpfe, Ara und Kakadu) auch bei uns die veterinär-polizeilichen Schranken.

Und was man fast schon vergessen hatte, bewahrheitete sich aufs neue: Das ganze bunte und ungeachtet der ver­schiedenen Namen einheitliche Papageien-Volk liefert uns trotz seiner schillernden Exotik, wenngleich auch nicht kreuzbrave, so doch ungemein treue und anhängliche Haus- und Stubengenossen. Es bestätigt sich, was man früher schon gewußt hatte: Selbst wenn Papageien (mit oder ohne Starterlaubnis) Ausflüge in die Nachbarschaft unternahmen, kehrten sie stets zu »ihrer« Familie zurück, in deren Schoß sie sich geborgen fühlten.

Allerdings muß man sie daheim auf der Sitzstange ein bißchen anbinden (an eine dünne Kette gewöhnen sie sich rasch) oder ihnen einen entsprechend geräumigen Käfig geben. Denn freifliegend richten die übermütigen Gesellen doch allerhand Unfug an. Ge­füttert wird der Papagei mit einer von den Vogelhandlungen zusam­mengestellten Mischung aus Hir­se, Hanf, Hafer und Sonnenblu­menkernen, dazu gibt man ihm Erdnüsse und frisches Obst. Die Anschaffungskosten liegen - je nach Art und Größe zwischen 50, und 500, DM je Stück. Dafür aber lernt er nicht nur »über hun- der Worte sprechen«, sondern wird gelegentlich auch über hun­dert Jahre alt. Bis dahin hat er sich amortisiert.

Problem Nr. 527 Auf der Leiter

Von Dr. W. Speckmann (Europe Echecs 1962)

Weiß zieht an und setzt im 4. Zuge matt

Waium haben weiße Elefanten rote Augen?'Damit sie besser getarnt sind, wenn sie auf Kirschbäumen sitzen. Wie, Sie haben noch nie ... ? Da sehen Sie, wie gut die Tarnung wirkt.

So weit der alte Kalauer. Was aber, wenn die Elefanten mal vom Baum herunter müssen? Nun, sie steigen ganz vorsichtig . . .

Lösung des Problems von Dr. Speckmann (Nr. 527)

1 Tg3-g2! e5-e4 2. Tg2-g1! e4-e3 3 Tg4-g2 e3-e2 4 Tg2-f2 matt (Kf5-f4 4. Tg1-f1 matt). Der laufende Be5 bestimmt das Tempo dieser sogenannten Stufenbahnung. Eine einzige schwarze Amsel soll ge­nügen, um Elefanten aus Kirschbäumen zu vertreiben, aber sie bleiben eben doch die Stärkeren.

Problem Nr. 526 * Von unten nach oben

Von Michael Keller

(Preis im Jahresturnier der »Schweizer. Arbeiter-Schachzeitung« 1967)

'//v///

Weiß zieht an und setzt im 8. Zuge matt

Vor etwa 5 Jahren stellten wir in dieser Spalte den damals 14jährigen Michael Keller mit seinem Erstling vor. einem Zweizüger, in dem die weiße Dame ihren »Weg nach oben« suchen mußte. Hier verläuft die- v ser Weg in umgekehrter Richtung, aber im übrigen hat der Doppelsinn jenes Titels gestimmt. Heute ist unser Autor -oben« als einer der er­folgreichsten jungen deutschen Problemverfasser, der einen Preis nach dem anderen gewinnt.

Lösung des Problems von Keller (Nr. 526)

1. Sc5-a6' (droht jetzt und weiterhin 2. Sc7 matt) Lg1-h2 2. g2-g3 Lh2xg3 3. f3-f4 Lg3xf4 4 e4-e5 Lf4xe5 5. d5-d6 Le5xd6 6. Sa6-c7 + (denn jetzt ist die Diagonale-h1 »schneefrei« gefegt) Ld6xc7 7. Dg7-a1 Sb1-a3 8. Da1-h1 matt! »Ein altbekanntes Thema wird hier auf nonchalante Art vorgefuhrt. Leicht zu lösen, aber sehr spektakulär.« (Preisrichter Herbert Angeli im Urteil.)

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