Ausgabe 
24.12.1969
 
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STILLE NACHT ! HEILIGE NACHT !

1.) Stille Nach ! Heilige Nacht !

Alles schläft; einsam wacht nur das traute'heilige Paar,

Christus, den uns die Jungfrau gebar

Schlaf in himmlicher Ruh.

4.) Stille Nacht ! Heilige Nacht !

Wo sich heut alle Macht Väterlicher Liebe ergoß,

Und als Bruder liüldvoll umschloß, Jesus die Völker der Welt. '

2.) Stille Nacht ! Heilige Nacht ! Gottes Sohn, o wie lacht Lieb aus Deinem göttlichen Mund, da uns schlägt die rettende Stund, Christ in Deiner Geburt.

5.) Stille Nacht ! Heilige Nacht ! Lange schon uns bedacht,

Als der Herr vom Grimme befreit, In der Väter urgrauer Zeit Alle Welt Schonung verhieß.

3.) Stille Nacht ! Heilige Nacht ! Die der Welt Heil gebracht,

Aus des Himmels goldenen Höhn, Uns der Gnaden Fülle läßt sehn, Jesum in Menschengestalt.

6.) Stille Nacht ! Heilige Nacht ! Hirten erst kundgemacht Durch der Engel Haleluja, Tönt''es laut von fern und nah, Christ der Retter ist da.

Die vorstehenden Strophen des bekannten Weihnachtsliedes übergab der Dichter Josef Mohr am 24. Dez. 1818 seinem Freund Franz Xaver Gruber zur Vertonung.

FROHE WEIHNACHTEN UND EIN GLÜCKLICHES JAHR 1970

Angst und Optimismus, Unsicherheit und Selbstvertrauen-beides^kennzeichnet unsere Situation am Jahres - ende mit Blick auf die verflossenen 12 Monate. Unruhe hat unser ganzes gesellschaftliches, politisches und kirch­liches Leben erfaßt. Biese Unruhe kann uns zum Heil oder zum Fluch werden.

Neben erfreulichen Entwicklungen im politischen Bereich wird auch für jeden aufgeschlossenen Betrachter manches sichtbar, was Besorgnis erregen muß. Unsere freiheitliche demokratische Grundordnung wird immer häu­figer durch kleinere politische oder auch außerparlamentarische Gruppen mit lautstarkem Wort und selbst durch Tätlichkeiten in Frage gestellt.

Vor diesem gegenwärtigen Hintergrund mögen uns Auszüge aus einem Brief des griechischen Philosophen Plato ( 427 - 347 y. Chr. ) nachdenklich stimmen :

"Wohlan, mein lieber Freund, wie steht es mit der Diktatur ? Ist es nicht so, daß sich die Demo­kratie selber auflöst durch eine gewisse Uneirsättlichkeit in der Freiheit ?

Es gewöhnen sich die Väter daran, ihre Kinder einfach gewähren und laufen zu lassen^wie sie wol­len und fürchten sich geradezu, vor ihren erwachsenen Kindern ein Wort zu reden ;oder die Söhne wollen so sein wie die Väter, also ihre Eltern weder scheuen, noch sich am ihre Worte kümmern, sich nichts mehr sagen lassen, um ja recht erwachsen und selbständig zu erscheinen.Und auch die Lehrer zittern bei solchen Verhältnissen vor ihren Schülern und schmeicheln ihnen lieber, statt sie sicher und mit starker Hand auf einen geraden Weg zu führen, so daß die Schüler sich nichts mehr aus solchen Lehrern machen. Überhaupt sind wir schon soweit, daß sich die Jüngeren den Älteren gleichstellen, ja gegen sie auftreten in Wort und Tat ;die Alten aber setzen sich unter die Jungen und Möhen, ssich ihnen gefällig zu machen, indem sie ihre Albernheiten und Ungehörigkeiten über­sehen oder gar daran teilnehmen, damit sie ja nicht den Anschein erwecken, als 'Seien sie Spiel­verderber oder auf Autorität versessen.

Auf diese Weise wird die Seele und die Widerstandskraft aller Jungen allmählich mürbe. Sie wer­den aufsässig und können es schließlich nicht mehr ertragen, wenn man nur ein klein wenig Unter­ordnung von Ihnen verlangt. Am Ende verachten sie dann auch die Gesetze, weil sie niemand und nichts mehr als Herr über sich erkennen wollen. Und das ist der schöne jugendfrohe Anfang der Tyrannei. "

Ich überlasse es jedem Einzelnen von Ihnen, aus diesen vorstehenden Zeilen Vergleiche zur Gegenwart zu ziehen.Man fragt sich nicht ohne Grund, was kann in dieser unruhigen Zeit für uns das Weihnachtsfest noch bedeu­ten ? Gerät der Inhalt des Weihnachtsfestes nicht in zunehmendem Maße in Gefahr, verschüttet zu werden ?

Selbst wenn wir als einzelne Mitglieder unserer demokratischen Gesellschaft nicht unmittelbar Einfluß neh­men können auf die große Politik, so bleibt es dennoch unsere Verpflichtung, in unserem kleinen, örtlichen Bereich Toleranz und Aufgeschlossenheit für die Persönlichkeit unseres Nachbarn zu zeigen. Die Weihnachtsbotschaft mußwie- der eine Botschaft der Freude und des inneren sowie äußeren Friedens werden.Menschen unserer Stadt müssen einander näherkommen, damit Weihnachten, soweit das in unserer kleinen zerstrittenen Welt noch möglich ist, ein wirkliches Fest des Friedens wird.

Weihnachten möge dem Leben der Menschen wieder zwei entscheidende Richtungen vorzeigen, die Rich­tung nach oben zu Gott und die zum Du des Mitmenschen. In diesem wohlverstandenen Sinne wünsche ich allen meinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern auch im Namen des Stadtrates und der Mitarbeiter der Stadtverwaltung

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