Ausgabe 
2.5.1969
 
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»SAUNA«

Als eine der wenigen freundlichen Er­innerungen brachten deutsche Soldaten aus dem letzten Krieg die Kenntnisse der Sauna mit, jenes eigenartigen finni­schen Bades in einem hölzernen Raum mit aufsteigenden Bänken, dessen Luft durch einen speziellen Ofen bis zur Siede­temperatur des Wassers erhitzt wird. Nach' einer Entwicklung von nur 2 Jahrzehn­ten zählen wir 2.000 öffentliche Sauna­bäder, die von monatlich mehr als 2 Millionen Menschen besucht werden. Da­zu kommen noch die Saunaanhänger, welche sich eine eigene Sauna im Hause gebaut haben. Solche HausSaunas sind schon mehr vorhanden als Swimmings- Pools.

Saunen sind eine aktiv benutzte Gesund­heitsquelle.

Eine Reihe von Herstellern hat sich dem SaunaGebiet zugewandt, produziert Öfen für elektrische, Gas- und Ölheizung und baut die typischen hölzernen Kabinen. Auf den Messen drängen sich die Interes­senten an deren Ständen, und all die Menschen dort wollen nicht nur einen Blick auf Ausrüstung und Einrichtung ei­ner Sauna erhaschen, sondern viele Ein­zelheiten über die Eigenschaften, den Gebrauch und die Wirkung des Gesund­heitsbades erfahren. Da hören sie dann, daß es Holz sein muß, das zusammen mit dem Ofen für das richtige SaunaKlima sorgt, daß der Badende nur dann volle SaunaWirkunghat, wenn er im Raum die Wärme auf Haut und Atemwege wirken läßt. Die große Bekömmlichkeit der hohen Temperatur beruht auf der trockenen Luft, die es gestattet, daß viel von dem reichlich fließenden Schweiß verdunstet und die Haut kühlt. Und man erfährt, daß im Zeichen der Konjunktur manchmal nicht saunamässi- ger Ersatz, sogar unter Verwendung des finnischen Namens Sauna, angeboten wird, daß man echt und unecht wohl unter­scheiden muß. Mit großem Nachdruck weist der Deutsche SaunaBund darauf­hin, daß Schwitzzelte undkästen mit 50 60 °C ohne das so wirksame Holz keine Sauna sind.

Zur richtigen Sauna gehört aber auch die

Abkühlung deshochgeheizten Körpers; man geht kurz ins Freie und kühlt die Lungen mit der Außenluft und schließt den so wirkungsvollen Kneippschen Guß

an oder taucht kurz in kaltes Wasser ein. Erst der Wechsel von heiß und kalt trai­niert im Körper des modernen Menschen darniederliegende Regulationen, übt die Blutgefäße und regt Herztätigkeit und Stoffwechsel an.

Während der finnische Bauer in der Sau­na nach schwerer Arbeit die Reinigung der Haut und eine Erholung seines müden Körpers erstrebt, wollen deutsche Sauna - Benutzer, zum Teil als Ersatz für fehlen­de körperliche Betätigung, wichtige Funk­tionen des Organismus trainieren. Sie er­reichen durch die regelmäßige wöchent­liche Anwendung eine erstaunliche Ab­härtung gegen Infekte, erleben an sich besseren Schlaf, gesteigerte Leistungsfä­higkeit und eine günstige Wirkung auf das Körpergewicht. Dabei ist der Gebrauch dieser deutschen Gesundheitssauna kei­neswegs eine Anstrengung, die eine beson­ders kräftige Konstitution voraussetzt.

Es beruht auf einer Verwechslung mit dem Dampfbad - feuchte Wäre, Schwüle, belastet den Menschen wenn manchmal vermutet wird, das Saunabad sei nur für junge, sportliche Naturen geeignet. Ein Blick in eines der zahlreichen öffentlichen SaunaBäder in der Städten (und neuer­dings auch auf dem Lande in den Dorf­gemeinschaftshäusern) läßt erkennen, daß bei den dort anzutreffenden Altersstufen (bis ins höchste Greisenalter) eine höchst­bekömmliche Form der Körper und Gesundheitspflege vorliegt. Für eine rich­tige und wohldosierte Anwendung sorgen Saunameister, verständliche Einführungs­hefte und instruktive BildtafelnSauna aber richtig lassen die Benutzer schnell das Wesentliche verstehen.

Die Bekömmlichkeit der echten Sauna ist so groß, daß die Anwendung als Heil­maßnahme immer »öfter verordnet wird

(auch unter Übernahme der Kosten durch Krankenkassen), und keine Kurklinik der LVA,Angestellten-Versicherungusw. ent­steht, ohne daß eine richtige Sauna als Therapeutikum gleich mit eingebaut wird.

So beginnt das dritte Jahrzehnt für die Sauna in Deutschland mit wachsenden Aufgaben für die Wiederherstellung und Erhaltung der Gesundheit, die heute mehr Schädigungen als früher ausgesetzt ist. Entsprechend dem zunehmenden Bedarf sind schon wieder zahlreiche Sauna- Anlagen im Bau, und mancher Haus­vater, der Platz und Geld erübrigen kann, geht mit dem Gedanken um, sich eine eigene Sauna für seine Familie zu er­stellen.

R SIE NOTIERT

8 400 Praktikanten

Ende Juni befanden sich im Bundesgebiet 8 400 Angehörige der Entwicklungsländer, darunter 1 800 Frauen, in einer zusätz­lichen beruflichen und fachlichen Aus und Fortbildung. Der Aufenthalt in Deutschland soll diesePraktikanten be­fähigen, die hier gewonnenen fachlichen und beruflichen Kenntnisse nach Rückkehr in ihr Heimatland einem möglichst großen Kreis von Personen zu vermitteln.

PFLICHT ZUR OPERATION

Die bedingte Pflicht zur Operation eines Kriegsbeschädigten hat das Bundesver­waltungsgericht Berlin bejaht (V c 115 67), wenn sie gefahrlos und nicht mit erheblichen Schmerzen verbunden sei und eine nicht unerhebliche Besserung der Erwerbsfähigkeit erwarten lasse.

VERSORGUNGSSCHUTZ

VERLOREN

Ein lediger Soldat, der seine Mutter besuchen wollte, war zunächst zu seinem Schwager gefahren, um dort zu übernach­ten. Am nächsten Morgen hatte er die Fahrt mit einem geliehenen Motorrad fortgesetzt und war schjver verunglückt. Weil der Unfall nicht mehr auf dem Heimweg vom Gamisonsort, sondern von einem privaten Besuch erfolgte, wurdedie Versorgungsrente durch Urteil des Bun­dessozialgerichts (10 RV '231/66) abge­lehnt.