Komfort und Sport aus dem Kofferraum
Campingsaison 1968 bietet Neuheiten an
Die letzten Statistiken brachten es an den Tag: Während der allgemeine Tourismus einen Rückgang von drei bis vier Prozent hinnehmen mußte, stiegen auf bundesdeutschen- Campingplätzen die Übernachtungszahlen um rund 25 Prozent. Trotz oder gerade wegen eines gewissen wirtschaftlichen Rückganges im Jahre 1967, gab es beim Camping einen beachtlichen Aufschwung.
Heute legt man Wert darauf, den häuslichen Wohnkomfort ins Grüne mit hinauszunehmen. Man fühlt sich eben im Badeanzug und eigenen Hauszelt zwischen doppelflammigen Propankochern und Kofferfernsehern — einen Katzensprung vom Meer entfernt — viel wohler als in der unbequemen Zwangsjacke eines grossen Hotels.
Der Katzensprung vom Meer weckt nicht nur den Wunsch nach einem Kopfsprung ins Wasser, sondern auch den nach einer Seefahrt auf eigenem Kiel. Und so zaubert der sportliche Camper neben Zelt und Ausrüstung noch ein Schlauchboot aus dem Kofferraum. Angesichts der knappen Kofferräume wird hier und da noch ein Dachträger eingesetzt werden müssen, sofern Seefahrt not ist.
Ob man nun segelt oder mit Motor fährt, das ist Geschmacksache, Schlauchboote können meist das eine wie das andere. Wer das Gebirge liebt, fiir den gibt es noch andere Variationen: In München entdeckten wir einen Katamaran, der aus zwei Kunststoff-Kajaks gebildet wird. Mit den Kajak kann man Flußfahrten veranstalten und dort, wo der Fluß in einen See mündet, in sehr sportlicher Weise segeln.
Übrigens gibt es auch Camper, die nicht mit dem Auto, sondern mit einem Faltboot-Zweier oder gar —Einer reisen. Die können keineswegs mit einem Super— Bungalowzelt auf Reisen gehen, sondern müssen sich mit einer kleinen Zelthütte begnügen. Diese Hütten bestehen aber nicht aus primitiven, im Rucksack verpackten Zeltplanen, es sind sehr schöne- Kleinzelte, die kaum mehr Platz brauchen als ein zusammengerollter Mantel. Aufgebaut sind diese Zelte in wenigen Minuten und stellen wohltemperierte Dächer über dem Doppelbett dar, das natürlich nicht mehr als eine Doppel—Luftmatratze sein kann.
In den Kajak paßt sogar noch das Nylon- Zelt hinein, mit dem Bergsteiger ihre Nächte in der Felswand verbringen. Da Nylon nicht „atmet“, ist die Belüftung von besonderer Bedeutung. Wir haben ein solches Zelt kürzlich ausprobiert und fanden es
schnell aufgebaut, komfortabel, winddicht und dennoch „atmungsaktiv“.
' Einen weiteren originellen Zelttyp fanden wir in England, der bald vier Jahrzehnte alt ist und von Soldaten, Forschern und Himalaya—Experten gern benutzt wird. Es handelt sich um ein halbrundes Igloo, das von Schläuchen gestützt wird, die man mit der Luftpumpe aufbläst. Mancher Camper bekommt mit der Zeit ein Grausen vor dem Aufbau eines Gestängezeltes, beim ,,Igloo—Zelt“ braucht man nur zu pumpen. Viele englische Familien verbringen ihren Urlaub im Igloo—Zelt, andere führen das Zelt als Notquartier im Kofferraum mit sich, für den Fall, daß man während der
Urlaubssaison auf der Hin— und Rück-J fahrt einmal kein Hotelzimmer bekommen ] sollte. Mit 2x2 Meter Grundfläche und I 1,80 Meter Höhe, Mückenschutz und vor- f bildlicher Belüftung ist das Igloo ein kom- j fortables Notquartier.
Der Wunsch all dieser Urlauber im Grünen, von denen die Mehrzahl bereits erfahrene I Camper sind, lautet: Noch mehr Bequemlichkeit und Luxus im Zelt! Die Hersteller | von Campingartikeln und —Zubehör haben sich schnell auf die Wünsche ihrer Käufer eingestellt. Die gute alte „Leinwandvilla“ ist im Höchstmaß vervollkommnet worden. Kunststoff und moderne Schweißverfahren machen dauerhafte Verbindungen zwischen den Materialien und Baumwolle möglich. Riesenzelte sind nicht mehr gefragt. Eine Länge von fünf Metern gilt derzeit als optimal! Sechs Personen finden hier ausreichende Schlafplätze.
(Aus hobby, das Magazin der Technik, Heft 8/1968)
Sportlich leben ist gesünder
Von Heinrich Peters, Verbandssportwart im Deutschen Sportbund
So paradox es klingen mag: Heute steht die biologische Substanz ganzer Völker auf dem Spiel. Die Sportbegeisterung, die sich vor dem Bildschirm und auf Tribünen austobt, hört dort plötzlich auf, wo es darum geht, selbst die Kugel zu stoßen, selbst 20 Kniebeugen zu machen, oder selbst einmal 1000 Meter durch den Wald zu laufen.
Früher waren die Menschen vielseitig beschäftigt. Mechanisierung, Technisierung und Rationalisierung haben uns zu „Spezialisten“ gemacht. Nur Teile des Körpers machen noch aktiv mit. Die Folgen: Langsame Verkümmerung der Wirbelsäule, Bindegewebe und Muskulatur, Sehnen und Sehnenscheiden. Und die weiteren Folgen: Wegen Frühinvalidität, wegen arbeitsbedingter Erkrankungen scheiden über 60 Prozent der Berufstätigen vor dem 65. Lebensjahr aus dem Arbeitsleben aus.
Auch die immer zahlreicher werdenden Herz— und Kreislauferkrankungen (mit etwa 40 v.H. stehen sie heute an der Spitze aller Todesursachen) finden in der Bewegungsarmut ihre Hauptursachen. Menschen, die keinen Sport treiben, büßen im ^Durchschnitt mit der Zeit ein Drittel der Leistungsfähigkeit ihres Herzens wie ihres Kreislaufes ein.
Wir kennen heute nur ein Mittel, dem drohenden Herzinfarkt und dem vorzei
tigen Altersverfall entgegenzuwirken:'Vernünftig betriebene Leibesübungen in Verbindung mit einer gesunden, kalorienarmen Ernährung. Ein Wust von Rezepten und Reklame—Weisungen fiir (angeblich) „gesundes Leben“ dringt von allen Seiten auf die Ratsuchenden ein und stiftet nichts als Verwirrung. Der Sektierergeist blüht, und aus simplen Fütterungsrezepten bilden sich „Weltanschauungen“.
Dabei ist die Grundlage einer gesunden Ernährung doch so einfach: Milch, weil sie alle Bausteine des Lebens enthält! Jeder Erwachsene sollte täglich mindestens einen halben Liter Milch oder in entsprechender Menge andere Milcherzeugnisse zu sich nehmen. Wer sich im Alltag vernünftig ernährt und ausgiebig bewegt, muß seine Zuflucht nicht zu Pillen und Diätfahrplänen nehmen. Körperliche Aktivität und Milch gehören zusammen und sind die besten Garanten fiir eine körperliche Fitneß.

