Ausgabe 
28.6.1968
 
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Komfort und Sport aus dem Kofferraum

Campingsaison 1968 bietet Neuheiten an

Die letzten Statistiken brachten es an den Tag: Während der allgemeine Tourismus einen Rückgang von drei bis vier Prozent hinnehmen mußte, stiegen auf bundesdeutschen- Campingplätzen die Übernachtungszahlen um rund 25 Prozent. Trotz oder gerade we­gen eines gewissen wirtschaftlichen Rückganges im Jahre 1967, gab es beim Camping einen beachtlichen Aufschwung.

Heute legt man Wert darauf, den häus­lichen Wohnkomfort ins Grüne mit hinaus­zunehmen. Man fühlt sich eben im Bade­anzug und eigenen Hauszelt zwischen doppelflammigen Propankochern und Kofferfernsehern einen Katzensprung vom Meer entfernt viel wohler als in der unbequemen Zwangsjacke eines gros­sen Hotels.

Der Katzensprung vom Meer weckt nicht nur den Wunsch nach einem Kopfsprung ins Wasser, sondern auch den nach einer Seefahrt auf eigenem Kiel. Und so zaubert der sportliche Camper neben Zelt und Aus­rüstung noch ein Schlauchboot aus dem Kofferraum. Angesichts der knappen Kof­ferräume wird hier und da noch ein Dach­träger eingesetzt werden müssen, sofern Seefahrt not ist.

Ob man nun segelt oder mit Motor fährt, das ist Geschmacksache, Schlauchboote können meist das eine wie das andere. Wer das Gebirge liebt, fiir den gibt es noch an­dere Variationen: In München entdeckten wir einen Katamaran, der aus zwei Kunst­stoff-Kajaks gebildet wird. Mit den Kajak kann man Flußfahrten veranstalten und dort, wo der Fluß in einen See mündet, in sehr sportlicher Weise segeln.

Übrigens gibt es auch Camper, die nicht mit dem Auto, sondern mit einem Falt­boot-Zweier oder garEiner reisen. Die können keineswegs mit einem Super Bungalowzelt auf Reisen gehen, sondern müssen sich mit einer kleinen Zelthütte begnügen. Diese Hütten bestehen aber nicht aus primitiven, im Rucksack ver­packten Zeltplanen, es sind sehr schöne- Kleinzelte, die kaum mehr Platz brauchen als ein zusammengerollter Mantel. Aufge­baut sind diese Zelte in wenigen Minuten und stellen wohltemperierte Dächer über dem Doppelbett dar, das natürlich nicht mehr als eine DoppelLuftmatratze sein kann.

In den Kajak paßt sogar noch das Nylon- Zelt hinein, mit dem Bergsteiger ihre Näch­te in der Felswand verbringen. Da Nylon nichtatmet, ist die Belüftung von beson­derer Bedeutung. Wir haben ein solches Zelt kürzlich ausprobiert und fanden es

schnell aufgebaut, komfortabel, wind­dicht und dennochatmungsaktiv.

' Einen weiteren originellen Zelttyp fanden wir in England, der bald vier Jahrzehnte alt ist und von Soldaten, Forschern und HimalayaExperten gern benutzt wird. Es handelt sich um ein halbrundes Igloo, das von Schläuchen gestützt wird, die man mit der Luftpumpe aufbläst. Mancher Camper bekommt mit der Zeit ein Grausen vor dem Aufbau eines Gestängezeltes, beim ,,IglooZelt braucht man nur zu pumpen. Viele englische Familien verbringen ihren Urlaub im IglooZelt, andere führen das Zelt als Notquartier im Kofferraum mit sich, für den Fall, daß man während der

Urlaubssaison auf der Hin und Rück-J fahrt einmal kein Hotelzimmer bekommen ] sollte. Mit 2x2 Meter Grundfläche und I 1,80 Meter Höhe, Mückenschutz und vor- f bildlicher Belüftung ist das Igloo ein kom- j fortables Notquartier.

Der Wunsch all dieser Urlauber im Grünen, von denen die Mehrzahl bereits erfahrene I Camper sind, lautet: Noch mehr Bequem­lichkeit und Luxus im Zelt! Die Hersteller | von Campingartikeln undZubehör ha­ben sich schnell auf die Wünsche ihrer Käufer eingestellt. Die gute alteLein­wandvilla ist im Höchstmaß vervollkomm­net worden. Kunststoff und moderne Schweißverfahren machen dauerhafte Ver­bindungen zwischen den Materialien und Baumwolle möglich. Riesenzelte sind nicht mehr gefragt. Eine Länge von fünf Metern gilt derzeit als optimal! Sechs Per­sonen finden hier ausreichende Schlaf­plätze.

(Aus hobby, das Magazin der Technik, Heft 8/1968)

Sportlich leben ist gesünder

Von Heinrich Peters, Verbandssportwart im Deutschen Sportbund

So paradox es klingen mag: Heute steht die biologische Substanz ganzer Völker auf dem Spiel. Die Sportbegeisterung, die sich vor dem Bildschirm und auf Tribünen austobt, hört dort plötzlich auf, wo es darum geht, selbst die Kugel zu stoßen, selbst 20 Knie­beugen zu machen, oder selbst einmal 1000 Meter durch den Wald zu laufen.

Früher waren die Menschen vielseitig be­schäftigt. Mechanisierung, Technisierung und Rationalisierung haben uns zuSpe­zialisten gemacht. Nur Teile des Körpers machen noch aktiv mit. Die Folgen: Langsame Verkümmerung der Wirbelsäule, Bindegewebe und Muskulatur, Sehnen und Sehnenscheiden. Und die weiteren Folgen: Wegen Frühinvalidität, wegen arbeitsbe­dingter Erkrankungen scheiden über 60 Pro­zent der Berufstätigen vor dem 65. Le­bensjahr aus dem Arbeitsleben aus.

Auch die immer zahlreicher werdenden Herz und Kreislauferkrankungen (mit etwa 40 v.H. stehen sie heute an der Spitze aller Todesursachen) finden in der Be­wegungsarmut ihre Hauptursachen. Men­schen, die keinen Sport treiben, büßen im ^Durchschnitt mit der Zeit ein Drittel der Leistungsfähigkeit ihres Herzens wie ihres Kreislaufes ein.

Wir kennen heute nur ein Mittel, dem drohenden Herzinfarkt und dem vorzei­

tigen Altersverfall entgegenzuwirken:'Ver­nünftig betriebene Leibesübungen in Ver­bindung mit einer gesunden, kalorien­armen Ernährung. Ein Wust von Rezepten und ReklameWeisungen fiir (angeblich) gesundes Leben dringt von allen Seiten auf die Ratsuchenden ein und stiftet nichts als Verwirrung. Der Sektierergeist blüht, und aus simplen Fütterungsrezepten bilden sichWeltanschauungen.

Dabei ist die Grundlage einer gesunden Ernährung doch so einfach: Milch, weil sie alle Bausteine des Lebens enthält! Jeder Erwachsene sollte täglich mindestens einen halben Liter Milch oder in ent­sprechender Menge andere Milcherzeug­nisse zu sich nehmen. Wer sich im Alltag vernünftig ernährt und ausgiebig bewegt, muß seine Zuflucht nicht zu Pillen und Diätfahrplänen nehmen. Körperliche Ak­tivität und Milch gehören zusammen und sind die besten Garanten fiir eine körper­liche Fitneß.