WELTGESCHEHEN 'yij
im Monat Mai 1968
Mittwoch, 1. Mai
Bei den Maifeiern der Gewerkschaften Stehen die Forderungen nach Mitbestimmung, die Ablehnung der Notstandsgesetzgebung, die jüngsten Unruhen und die Gefahr des Rechtsradikalismus im Vordergrund.
Donnerstag, 2. Mai
Mit einer großen Parade seiner siegreichen Truppen durch die Straßen Jerusalems feiert Israel den 20. Jahrestag seiner Staatsgründung.
Freitag, 3. Mai
Die USA und Nordvietnam einigen sich auf Paris als Konferenzort für vorbereitende Vietnam—Friedensgespräche.
Samstag, 4. Mai
Nordvietnamesische und Vietkong—Einheiten eröffnen in Südvietnam eine neue Offensive.
Sonntag, 5. Mai
Zum 150. Geburtstag von Karl Marx finden in aller Welt Gedenkfeiern statt.
In Saigon wird der Erste Sekretär der Deutschen Botschaft von Vietkong erschossen.
Montag, 6. Mai
Im Pariser Universitätsviertel, dem Quartier Latin, kommt es zu blutigen Studenten— und Schülerkrawallen, die sich auf ganz Frankreich ausdehnen.
Dienstag, 7. Mai
Zwölf Stunden lang liefern sich in Paris Studenten und Polizei Straßenschlachten. Eine Welle von Unruhen erfaßt Frankreich.
Donnerstag, 9. Mai
Die Auseinandersetzungen zwischen Moskau und Prag verschärfen sich. In Moskau findet ein Gipfeltreffenderosteuropäischen Länder (Parteichefs) ohne die Tschechoslowakei und Rumänien statt.
Freitag, 10. Mai
Die britischen Konservativen erringen bei den Kommunalwahlen einen überwältigenden Wahlerfolg.
Samstag, 11 . Mai
Mit einem Stemmarsch nach Bonn, einer Großkundgebung unmittelbar vor der Bannmeile um das Bundeshaus und auf einer großen DGB—
Kundgebung in Dortmund demonstrierten die Gegner der Notstandsgesetze gegen die nach ihrer Ansicht verfassungswidrige Einschränkung der Grundrechte durch diese Gesetzgebung.
Sonntag, 12. Mai
Frankreichs Gewerkschaften und Studenten rufen zum Generalstreik auf, obwohl Ministerpräsident Pompidou den Studenten die Erfüllung einiger ihrer Forderungen zusagt.
Montag, 13. Mai
In Paris begannt die Vorkonferenz für Friedensverhandlungen zwischen den USA und Nordvietnam.
Im nigerianischen Bürgerkrieg sind bisher Hunderttausende ums Leben gekommen.
Mittwoch, 15. Mai
Der Bundestag verabschiedet in zweiter Lesung wichtige Punkte der geplanten Notstandsgesetzgebung. Aus Protest gegen die Notstandsgesetze wird der Lehrbetrieb in zahlreichen deutschen Universitäten lahmgelegt.
Donnerstag, 16. Mai
In der Frankfurter Universität kommt es zu Gewalttätigkeiten wegen der Notstandsgesetze. Dabei gibt es 20 Verletzte.
Freitag, 17. Mai
Der erste europäische Gemeinschaftssatellit „ESRO 2“ wird in Kalifornien gestartet.
Samstag, 19. Mai
Zwei Millionen Franzosen streiken. Das öffentliche Leben des Landes ist lahmgelegt. Zahlreiche Fabriken sind von Arbeitern besetzt. Die Regierung verliert die Kontrolle über die Elektrizitätswerke. Präsident de Gaulle bricht seinen Rumänienbesuch ab und kehrt nach Paris zurück.
Der 1. FC Nürnberg wird neuer Deutscher Fußballmeister.
Montag, 20. Mai
Der Generalstreik in Frankreich breitet sich aus. Christliche Demokraten und Kommunisten ge
winnen bei den Wahlen zur italienischen Abgeordnetenkammer.
Mittwoch, 22. Mai
Die Regierung Pompidou erringt bei einer Vertrauensabstimmung im Parlament einen knappen Sieg. Regierung und Gewerkschaften verhandeln miteinander.
Freitag, 24. Mai
Die Bundesregierung warnt vor Streiks wegen der Notstandsgesetze.
Das amerikanische Atom—Unterseeboot „Skorpion“ wird mit 99 Mann vermißt.
Staatspräsident de Gaulle kündigt eine fundamentale Reform der Universitäten und des gesamten wirtschaftlichen und sozialen Lebens an. Br will sein Amt niederlegen, wenn er nicht bei einer Volksbefragung im Juni eine starke Mehrheit findet.
Samstag, 25. Mai
In Frankreich streiken noch zehn Millionen. Es zeichnen sich erste Ergebnisse in den Verhandlungen zwischen Regierung und Gewerkschaften ab.
Montag, 27. Mai
An zahlreichen deutschen Universitäten legen die Studenten aus Protest gegen die Notstandgesetze den Lehrbetrieb lahm.
Die Kämpfe in Südvietnam nehmen an Heftigkeit zu.
In Alsdorf bei Aachen beginnt der Contergan- Prozeß.
Dienstag, 28. Mai
In Frankreich wird die Regierung umgebildet.
Ein Berliner Skatclub gewinnt im Lotto über eine Million Mark. , ■ /
Donnerstag, 30. Mai
Der Bundestag beschließt mit 384 gegen 100 Stimmen die Notstandsgesetze.
De Gaulle weilte zu einem geheimen Besuch beim französischen Oberkommando in Baden- Baden. Er will im Amt bleiben, löst die Nationalversammlung auf und kündigt Neuwahlen an.
Der ehemalige tschechoslowakische Staatspräsident .Novotny wird aus der kommunistischen Partei ausgeschlossen.
Freitag, 31. Mai
Bundesminister Wischnewski wird neuer SPD— Generalsekretär.

