Ausgabe 
15.9.1967
 
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Führte schon der Geldbedarf kriegführender Staaten zur Prä­gung geringwertiger Münzen, so tat der Silberpreis sein übri­ges hinzu,so daß Münzen durch Zusatz von Kupfer das Geld­wesen in Deutschland ruinierten. Im Geldverkehr herrsch­ten schlechte Scheidemünzen vor, Gold war kaum in Um­lauf . gutes Geld verschwend wieder rasch aus dem Verkehr.

Da der Handel jedoch nicht auf große Münzen verzichten konnte, liefen in Deutschland die großen Geldstücke des Auslandes um, wie in Kurtrier nach 1694 die französischen Taler, Louisblanc genannt. j

Im Jahre 1700 befahl der Trierer Kurfürst Johann Hugo von I Orsbeck nach dem Beispiel von Kurmainz und Kurköln seinen Zöllnern, an Rhein und Mosel, die Louisblanc nicht höher zu I berechnen als die burgundischen Taler. Während des Spa­nischen Erbfolgekriegs verbreiteten sich die französischen i Stücke im kurrheinischen Kreis immer mehr. Dazu kamen j niederländische Taler in größerer Zahl. j

Ein ähnliches Bild bot sich beim Kleingeld, w'O Kreuzer- i stücke au$ Kurpfalz und Württemberg, anschließend j

Batzen aus Hanau . Hessen -Darmstadt und Kurpfalz das j

kurtrierische Gebiet überschwemmten. In solchen Fällen I

der Überfremdung durch ausländisches Geld half man sich nur noch mit der ."Münzverrufung ", wmdurch man be­stimmte Geldsorten im eigenen Lande für ungültig erklärte. Durch das ganze 18. Jahrhundert sah sich das deutsche Münz­wesen drei Forderungen gegenübergestellt :

1. die Scheidemünzen der Nachbarstaaten aus dem eigenen Staat fernzuhalten,

2. den Zahlw'ert der Großmünzen des Auslands in Grenzen zu halten und

'3. ein eigenes Münzwesen zu begründen und aufrechtzuer­halten.

Aus den angeführten Gründen w r ar Kurtrier wie nahezu alle deutschen Territorien in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunders zu einer passiven Münzpolitik gezwungen. In Koblenz , der damals einzigen Münzstätte Kurtriers, wurde nur selten ge- prägt.

Unter Kurfürst Karl von Lothringen (1711 - 1715 ) wurden Drei­petermännchen als gängige Scheidemünzen geprägt, ferner ein Gulden von 1714 und ein Kreuzer von 1715, Für sein Bistum Osnabrück ließ der gleiche Kurfürst Mariengroschen,

1 1/2 fache und einfache Schillinge in Koblenz münzen.

'Sie tragen die Initialen des Koblenzer Münzmeisters Gerhardt I Goedt..

Auch unter dem Kurfürsten Franz Ludwig von der Pfalz (171-6- 1729 ) kam es nur zur Prägung einiger Dukaten, Taler, Halb­taler. ganzer und halber Kreuzer. Die Anstrengungen seines Nachfolgers Franz Georg von Schönborn ( 1729 - 1756 ) brach­ten auch keine wesentlichen Verbesserungen. Ein Hofkammer­protokoll vom '24. 7.1745 berichtet über die Geldverhältnisse in Kurtrier

" Daß bei dermaliger Verwirrung im Münzw r esen soviel ge­ringwertige Geldsorten, in specie sogenannte Kreuzer, neue

Weißpfennige, hessische Groschen und französische über ihren Wert w'eit überhöhte Silber- und Goldmünzen dem hiesigen Erzstift zufließen, hingegen fast alle gute Geldsorten ausgehen ist allzuwahr. "

lm Juli 1745 hielt man in Ehrenbreitstein längere Beratungen über das kurtrierische Miinzw'esen ab, die zu einem einschnei­denden Beschluß führten. Der Kurfürst entschloß sich zur Prägung von Kupfermünzen, die bisher nur in Westfalen und in den Niederlanden gebräuchlich waren. Es sollte eine Klein­münze ausgegeben werden, die im Lande blieb und den Mangel an Kleingeld behob.

Bisher w r aren alle kurtrierischen Silberprägungen in kurzer Zeit ins Ausland abgewandert, und umgekehrt waren schlech­te Münzen aus dem Ausland nach Kurtrier geflossen, vor allem aber die schlechten Münzen der Juden, die aus den verworrenen Geldverhältnissen Profit zu ziehen verstanden.

So wurden in den Jahren 1748 - 1750 für den Binnenhandel 4-, 2- und 1-Pfennigstücke aus Kupfer in der Koblenzer Münze geschlagen.

Kurfürst Johann Philipp von Walderdorf ( 1756 -1768 ) ließ die beiden Silberbergwerke in Bernkastel und in Villmar an der Lahn wieder stärker ausbeuten, verfügte auch, daß sämtliche in Kurtrier gefundenes Silber im Kurstaat bleiben und der Koblenzer Münze zur Verfügung gestellt werden müsse.

Aus dem Silber der Bergwerke ließ er Ausbeutetaler prägen, nachdem er schon bei seiner Amtsübernahme Sterbemünzen für den Vorgänger hatte herausgeben lassen. Gegen Ende seiner Regierungszeit lebte die Tätigkeit der Koblenzer Münze wieder auf, da der Kurfürst 1765 allein für 35 914 Gulden Silber in Frankfurt kaufen ließ und zusätzlich 4 000 neue französische Taler zum Einschmelzen in die Münze gab. Münzmeister w r aren vor 1763 der Goldschmied Johann Nikolaus Martinengo. Die Familie Martinengo stammte ur­sprünglich aus Venedig, kam dann nach Frankfurt und endlich um 1700 mit einem Familienzweig , der das Gold- schmiedehanuwerk betrieb, nach Koblenz, wo sie bis zum Untergang des Kurstaates die Münzmeister stellte.

Mit dem Kurfürsten Clemens Wenzeslaus, Prinz von Polen und Sachsen ( 1768 - 1802 ) beginnt der letzte Abschnitt der kurtrierischen Münzgeschichte. Wieder gab es Sterbemünzen für den Vorgänger und eine fünfjährige Prägezeit bis 1773.

Von diesem Jahr an aber ruhte die Koblenzer Münze bis etwa 1787. Ausländisches Geld nahm wieder überhand,Schei­demünzen wurden immer rarer. Die Magistrate von Kob - lenz und Trier baten daher den Kurfürsten dringend um Ab­hilfe durch Ausprägung von Kleinmünzen.

Die Prägung unterblieb aber weiterhin, während die älteren Gebäude der Koblenzer Münze allmählich verfielen, so daß man bei der Weideraufnahme der Prägetätigkeit sich im Ehrenbreitsteiner Dikasterialgebäude einen Behelf zur Unter­bringung der Münzgeräte schaffen mußte.

Fortsetzung folgt.

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