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Freitag, dem 8. September 1967 in Montabaur-Festsaal der Jos. -Kehrein-Schule- Zuckmayers Meisterwerk "Der Hauptmann von Köpenick".
Der Schuster Voigt, eine arme heruntergekommene Figur, braucht eine Aufenthaltsgenehmigung, damit er in Deutschland arbeiten darf, und er braucht zuerst Arbeit, damit er eine Aufenthaltserlaubnis bekommt. - ein unlösbares Dilemma, verhängt von einer unpersönlichen Bürokratie. Auch ein Auslandspaß wird ihm verwei gert So kauft er eine Hauptmannsuniform beim Trödler; die nötigen militärischen Kenntnisse hat er im Zuchthaus erworben, wo es zugeht wie beim Militär.
Er setzt sich nach Köpenick in Marsch, nicht um - wie der historische Hauptmann von Köpenick - die Stadtkasse zu beschlagnahmen, sondern um sich einen Paß zu beschaffen. Eine Paßstelle aber gibt es dort nicht. Unvergänglich jedoch bleibt sein Ruhm, daß er durch seine Maskerade die Uniform als Fetisch demaskiert hat.
Wie Zuckmayer aus der historischen Groteske des wirklichen Hauptmannes in diesem Szene für Szene packenden, amüsierenden und erschütternden Bilderbogen ein Lebensschicksal mit einer politischen Satire gestaltet, das verrät ebenso den Meister der Menschengestaltung wie der Bühnenform.
Die Regie hat, wie in dem erfolgreichen Zuckmayer-Stück der vorigen Spielzeit, "Katharina Knie", Intendant Conrad Dahlke übernommen.
Den Hauptmann wird Hans Egenlauf spielen, Kartenvorverkauf: Städt. Verkehrsamt, Rathaus, Zimmer 8. Die Abonnementsinhaber werden gebeten, die Abo-Karten abzuholen.
BERICHT
Am Donnerstag, dem 20. Juli 1967, in der Zeit von 0, 00 - 24. 00 Uhr, wurde auf dem Großen Markt in Montabaur die diesjährige Verkehrszählung- Sommerzählung- durchgeführt. Die Wetterverhältnisse waren unterschiedlich.
Während der Nacht und in den Vormittagsstunden von 08. 00 - 11. 00 Uhr, regnete es fast ununterbrochen, was bei der Sommerzählung am 21. 7. 1966 nicht der Fall war.
Das Wetter war zu diesem Zeitpunkt trocken und sonnig.
Es passierten insgesamt:
24 134 Fahrzeuge
den Kontrollpunkt, eine Zahl, die bisher bei keiner Zählung erreicht wurde. Bei der Sommerzählung am 21. 7.1966 wurden 22. 715 Fahrzeuge registriert. Bei der diesjährigen Zählung passierten also
1 419 Fahrzeuge
mehr den Kontrollpunkt, obwohl sich Mopeds und Fahrräder durch die schlechten Witterungsverhältnisse in den Vormittagsstunden bedingt um 18 7 verringerten.
Obwohl ein Großteil der Lastkraftwagen mit und ohne Anhänger jetzt die BAB in Richtung Koblenz benutzen und das Stadtgebiet nicht mehr berühren, steigerten sich diese Fahrzeuge um 5 31.
Besonders erhöhte sich wieder der Personenwagenverkehr.
Hier passierten insgesamt;
18 503 Fahrzeuge
den Kontrollpunkt, was ein MEHR von 1 0 06 gegenüber 1966 bedeutet.
Die Spitze des Verkehrs lag vormittags in der Zeit von 08. 00 - 11. 00 Uhr mit 6 2 7 2 und in den Nachmittagsstunden von 15. 00 - 18. 00 Uhr mit 6 7 8 7 Fahrzeugen.
Allein in der Zeit von 17. 00 - 181 00 Uhr passierten insgesamt 2 673 Fahrzeuge
den Kontrollpunkt.
Die ruhigste Zeit war während den Nachtstunden von 0. 00 - 07. 00 Uhr, wo 69 3 Fahrzeuge registriert wurden.
Die Bundeswehr war mit 236 Kfz. beteiligt.
Zu bemerken ist, daß an einem Donnerstag gezählt wurde, wo also nicht die Spitze des Verkehrs ist, sondern freitags, wo man die Verkehrslage als katastrophal bezeichnen muß,
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denn an diesem Tage ist erfahrungsgemäß die Verkehrsdichte wesentlich stärker.
Gend, -Haupt meister Offheim. __
MAN KANN RUHIG DARÜBER REDEN
Wo bleiben das Jugendschutz ge setz und das Gesetz gegen Schmutz und Schund?
Der Staat hat sich in diesen Gesetzen ein Alibi geschaffen.
Wie es in Wirklichkeit mit der Handhabung und der Wirksamkeit dieser Gesetze aussieht, dazu äußert sich Ulrich Beer in seinem oben erwähnten Buch:
"Die Handhabung, die die Jugendschutzgesetze bieten, sind mehr als dürftig. Es ist nicht hinreichend bekannt, daß das Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdeter Schriften gar nicht die Herstellung oder den Vertrieb der indizierten Schund- und Schmutzliteratur verbietet, sondern nur, sie der Jugend zugängig zu machen und sie in Kiosken, Lesemappen oder Leihbüchern öffentlich anzubieten. Die geheimen Kanäle sind damit nicht verstopft, sondern sie fließen nur reger. Die Kontrolle über den Prozeß der geheimen Verbreitung ist schon aus personellen Gründen fast völlig unwirksam, zudem wird die; Bundesprüfstelle nicht von selbst, sondern nur auf Antrag bestimmter Landes- oder Bundesbehörden tätig. Damit wird das Netz so weitmaschig, daß ein Hai sich schon quer- stellen muß, um sich darin einfangen zu lassen ..» Ähnlich steht es mit dem Gesetz zum Schutze der Jugend in der Öffentlichkeit, das zwar vom Kinobesitzer erwartet, daß er im Zweifelsfalle einen Ausweis verlangt. Allgemeine Kontrollen sind nicht üblich, und auch wohl schwer möglich. Die Altersgrenzen sind für die Katz, solange die Kontroll- und Strafpraxis nicht härter sind als heute (ein Kinobesitzer erhielt 25, -- DM Strafe dafür, daß er Jugendliche in nicht freigegebene Filme ließ). "
Ulrich Beer sagt ganz richtig, daß die verantwortlichen Stellen bei dem derzeitigen Stand der Dinge gegenüber "der finanzstarken, unwahrscheinlich erfinderischen geistigen Gaskampftechnik der minderwertigen Kulturindustrie, unweigerlich im Hintertreffen bleiben:
"Die Produzenten der Unkultur haben esl bisher geschickt verstanden, die Klippen des Gesetzes zu umschiffen. " - "Die Kollektiven Erziehungsmächte sind zum großen Teil durch ihre Tatsachenverdrehung und Volksverdummung mindestens ebensosehr Feinde der Demokratie, wie politische Rechts- oder Links-Extremisten. Systematischer kann sich die Demokratie gar nicht zu Grunde richten, als durch das offenbar bei uns herrschende Maß von Ignoranz und Indifferenz gegenüber der volkserzieherischen Macht der geheimen Miterzieher. "
Warum keine Notstandsgesetze zum Schutze der Jugend?
Man ist bereit, das Grundgesetz zu ändern, um Notstandsgesetze verabschieden zu können.. In solchen Notstandsgesetzen ist u» a. die Beschränkung der Pressefreiheit vorgesehen. Notstandsgesetze, die unsere Jugend vor den ärgsten Niederungen bewahren könnten, hätten wir unbedingt notwendig. Man wird hier einwenden, bei den vorgesehenen Notstandsgesetzen ginge es um lebensnotwendige Dinge, um die Sicherheit des Staates. Bei unserer Jugend geht es um noch mehr, um unsere Zukunft. Es wird viel geredet über Gammler, Rolling Stones, Beatles usw. Forts, folgt.
■am:.. CK*
Das AMTL. BEKANNTMACHUNGSBLATT erscheint wöchentlich Bezug: Nur an Abonnenten. Anzeigenpreisliste Nr. 2 v. 1. Jan. 1964 Herausgeber: Hans Schmid. Verlagsleitung: Christa Frisch Chefredaktion: Marion Scheidhauer, Ignaz Kurz Anzeigenleitung: Ignaz Kurz, Manfred Schultheiß Druckerei- und Versandleitung: Robert Loth, Walter Stutz Werbe- und Vertriebsleitung: Simon Frankenberger, Fritz Volz DRUCK und VERLAG: PRIMAT-VERLAG HANS SCHMID 6689 Merchweiler/Saar, Primat-Haus,Tel.06825/5021,Telex 0444826 6236 Eschborn/Ts.,Schwalbacherstr.,Tel.06196/41004,Telex 0414396

