Ausgabe 
16.6.1966
 
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Pfarrer P. Debus schreibt:

Fortsetzung aus Nr. 23

Bei Nebel ist sie glitschig wie Schmierseife und es 'empfiehlt sich, am besten gar nicht zu bremsen. Regnen darf es natür­lich erst recht nicht. In diesem Falle wird die Pad zum Mo­rast. Einen von den 5 Regentagen, die^entlang der Küste pro Jahr verzeichnet werden, haben wir bereits erlebt. Damen dürfen da nicht aus dem Haus. Sie bleiben unweigerlich stecken. Unsere Martha erschien an jenem Tage mit den Schuhen in der Hand. Allein, es regnet ja so gut wie nie. Eis und Schneematsch sind völlig unbekannt und darum ist die Salzpad schon ganz in Ordnung.

Das Feinste und Modernste ist die Teerstraße, die von Swakop- mund nach Windhuk führt. Es ist die Einzigste im ganzen Land.

AJJe Straßen in Walvis Bay sind so ihre 20 und mehr Meter breit. Einen Wendeplatz muß man da nicht lange suchen, son­dern kann nach Herzenslust überall seine Kurven drehen.Das . wäre was für Montabaur! Vor lauter Freude am Spaß habe ich neulich mal in der 10.Straße eine Acht gefahren. Die Polizei, die es hier auch geben soll, darf so wfs allerdings nicht sehen. Bei der geringen Verkehrsdichte ist sie aber wohl mit anderen Dingen beschäftigt. Allein, ehe ich nun mich in dem Thema "Alkohol im Straßenverkehr ohne Polizei" ver- j liere, will ich lieber wieder zu ernsteien Dingen kommen. Es j ist jedoch nun mal der Fall, daß das Auto in unserem und allerj Leute Leben eine große Rolle spielt. Allein die Entfernungen i innerhalb der Stadt sind so beachtlich, daß sie ohne Auto I

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gar nicht zu bewältigen sind. Da hat jedes Grundstück seine geformte Einheitsgröße von 1.250 Quadratmetern. Jedermann wohnt in seinem Bungalow; es gibt nur zwei Wohnblocks. Da­her ist die Ausdehnungsfläche der Stadt enorm. Von einem Ende zum anderen sind es gut und gern 8 km. Wer will die bei der Hitze laufen?

Zumindest vor dem Haus hat jeder seinen Garten. Mit unend­licher Liebe und Geduld wird er gepflegt. Ein bißchen Grün möchte man doch haben. Dabei lassen die häufigen Sand­stürme keine Bäume aufkommen, nur niedriges Buschwerk, und sofort nach dem Sturm muß jeder raus, um allen Sand abzuspritzen, sonst sind die Pflanzen am nächsten Tag ver­brannt. Unter diesen Umständen ist man überrascht, welch schöne Gärten hier und da doch zu finden sind. Sogar einen Stadtpark gibt es - lOOx 200 m groß. Eine Schar Ovambos ist ständig dabei, diesen Park in Ordnung zu halten.

Natürlich muß der Herr Pastor all die Wunder gärtnerischen Fleißes gebührend würdigen. Jeder möchte ein Wort des Lobes über seinen schönen Garten hören, auf den er so stolz ist,

Ich Spare darum nicht mit meiner Anerkennung, obwohl das ja eigentlich Heuchelei ist. Denn, was ist schon so ein küm­merliches Gärtchen, wenn man aus dem Westerwald kommt und den herrlichen Park um die Kirche in Montabaur gehabt hat! Viel aufregender als jede Rasenfläche und unendlich eindrucksvoller als zwei windzerzauste Palmen sind für uns die Dünen, hundert und mehr Meter hoch; die endlosen Wei­ten und das Kirchengrundstück - 2.000 Quadratmeter Sand, in dem unsere Kinder nach Herzenslust Burgen bauen* Pads, wie sie bereits sagen, anlegen und sich selbst panieren.

Das ist für uns das Neue; den Walfischbayern natürlich nur öde, widerwärtige Alltäglichkeit.

Doch nun laßt mich für diesmal schließen. Auch wenn ich immer noch nichts von unserem Alltag und der neuen Ge­meinde geschrieben habe.

Aber einmal muß ja Schluß sein. Es wird bestimmt nicht der letzte Rundbrief bleiben. Erstens habe ich dazu viel zu viel Stoff; die Wirtschaft von Walvis Bay, das Klima, die Wüste und die Menschen, mit denen wir es zu tun haben. Täglich erleben wir etwas Neues. Und zweitens habe ich so viel Zeit zum Schreiben. Viel zu viel, wenn ich an Montabaur denke. Von dort hat niemand jemals einen Bericht bekommen.

Ich verabschiede mich mit der freudigen Nachricht, daß uns am 25. April ein kleiner Martin geboren wurde. Mutter und Kind sind gesund und wohlauf. Am Sonntag, den 8. Mai

hole ich sie aus dem Mütterheim in Swakopmund.

Es grüßen diesmal und zum ersten Mal 7 Debuse aus Südwest!

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Das Hl. Geist Hospital zu Montabaur von H. Fries

j Fortsetzung aus Nr. 21

| Sie wurde gewährt auf Grund der Dritten Verordnung zur Durch­führung des Anleiheablösungsgesetzes vom 4.12.1926 an Träger einer Einrichtung der freien Wohlfahrtspflege, die als Anleihealt besitzer von Markanleihen des Reiches Auslosungsrechte erhal­ten hatten. Der Hospitalfonds erhielt für seine Auslosungsrecht in Höhe von 762, 50 RM Schuldverschreibungen der Reichsan­leihe von 1927 in Höhe von 1300 RM.. Solange die Stadt-eine jährliche Rente von 411, 75 RM bezog, bestand keine Möglich­keit für die Auslösung der Auslosungsrechte. Mit dem 31.3.1937 erlosch die soziale Wohlfahrtsrente und es lebten die Auslosungs- rechte für die Anleiheablösungsschuld von 762, 50 RM wieder auf.

Die Schwestern erhielten, zwischen den beiden Weltkriegen, aijs dem Hospitalfonds nur einen Zuschuss zur Anschaffung von Kar­toffeln und Koks und ein sehr bescheidenes Kleidergeld von 160.--M. Nachdem sie 85 Jahre segensreich und selbstlos zum Wohle der Bürger der Stadt gewirkt hatten, löste man im Jahre 1941 das Hospital auf und trieb innerhalb weniger Tage die Schwestern aus dem Gebäude. Dieses vermietete man an die Arbeitsfront u.a, N.S. Organisationen; die Hospitanten brachte man in anderen Heimen unter. Um für dieses Vorgehen ein Rechtsgrundlage zu schaffen, änderte der damalige Bürgermei­ster Hinterwälder mit Genehmigung des Regierungspräsidenten zu Wiesbaden den § 2 der "Satzung der Stiftung Hospitalfonds der Stadt Montabaur", der zwingend vorschrieb, daßder Unter' halt für arme alte Leute aus Montabaur, die deutsche Volksge­nossen sein müssen, im Hospitalgebäude bereitzustellen" sei, ab, in dem er das Wort "Hospitalgebäude" fortließ und schrieb; "Die Stiftung verfolgt den Zweck, aus den Erträgnissen ihres Vermögens , das nach seinem heutigen Stande in der Anlage aufgeführt ist, den Unterhalt (Wohnung, Kleidung, Verpflegung] für alte arme Leute aus Montabaur, die deutsche Volksgenossen sein müssen, weitgehendst bereitzustellen. Der Hospitalfonds gibt hierzu auf Antrag Zuschüsse, die jeweils für 1 Jahr vom Bürgermeister nach Anhören des Beirates festgesetzt werden".

Zur Zeit besteht zwischen der Stadt als Vertreter und Verwal­ter des Hospitalfonds und dem Mutterhaus der Armen Dienst­mägde Jesu Christi ein vertragsloser Zustand. Die Stadt ist dabei, neue Satzungen für das Hospital auszuarbeiten den Fonds neu zu ordnen. Den Mitgliedern der Hospitalkommission erwächst aus ihrer Arbeit eine ernste Verpflichtung.Möge ihr Tun immer von selbstloser Liebe begleitet sein und sie sich stets bewußt bleiben, daß sie einmal über alles Rechenschaft vor Gott geben müssen. Fortsetzung folgt.

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Anton Daun, Montabaur, Kirchstr. 44 Stadtverwaltung Montabaur

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