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ES GIBT JA AUCH NOCH ANDERE
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MARIETT SORA
PLAUDERT MIT IHNEN
Guten Tag, liebe Freunde,
wie versprochen, bin ich pünktlich wieder zu unserem Plauderstündchen bereit. Sicher haben Sie verfolgt, daß mein Schallplattentitel
"Zwischen Mitternacht und Morgen", in der Sendung "Schlager von Morgen?"
im Saarländischen Rundfunk, Europawelle Saar, am 29.1.1966,
auf den 2. Platz gewählt wurde.
Darüber habe ich mich sehr gefreut und ich möchte all denjenigen danken, die mir ihre Stimme gaben.
Doch nun gleich wieder zu unserem Bericht.
Wir waren letztesmal da stehengeblieben, wo wir DM 11,27 als Gage für unser Spiel auf dem Schiff bekommen hatten und es nun sinnlos verprassen wollten...
Ein kleines Weinlokal mit einem schönen schmiedeeisernen Wirtshausschild unter schattiger alter Linde, erschien uns besonders geeignet. Bald standen 3 wohlgefüllte Römer mit goldenem Rheinwein vor uns auf dem blankgescheuerten Tisch, wurden leer und wieder gefüllt. Unsere Stimmung stieg und meine Unternehmungslust ebenfalls. Hierzu erschien mir der 2 Straßen weiter gelegene Juxplatz wie gerufen. Wir streunten zwischen den Buden hindurch und blieben am Rande vor einem Kinderkarussell stehn. Es war so eines mit roten Pferdchen, Straßenbahn und Feuerwehr und einer asthmatischen Drehorgel, wie man sie heute kaum noch findet. Niemand schenkte diesem lustigen Gefährt Beachtung. Nur ich verspürte eine unbändige Lust "Feuerwehr" zu fahren und einen Mordskrach zu veranstalten. Wir stürmten das Karussell, ich setzte mich an die Glocke, Heidi an die Hupe und Inge an's Lenkrad und wir schrien aus Leibeskräften "Feuer,
Feuer, Feuer". Der Karussellbesitzer schienden Eindruck zu haben, daß, wir sein Karussell in Trümer legen wollten. Er brüllte: "R unter, ihr albernen Gänse, das ist nur für Kinder bis 10 Jahre", und wollte uns davon jagen. "Wir baten inständig doch 1 mal Gnade vor Recht ergehen zu lassen und uns eine Fahrt zu gestatten. In Anbetracht der schlechten Geschäftslage, stimmte er schließlich zu. Es wurde eine Höllenfahrt zu dem Großbrand einer Ölraffinerie. Als sich der Spektakel legte, und das Karussell langsamer fuhr, stellten wir zu unserem Erstaunen fest, daß sich viele Leute grinsend und feixend vor unserem Karussell drängten. Inge rief: "Immer hereinspaziert, meine Herrschaften, mit gefahren, diese Attraktion bekommen Sie nicht noch einmal geboten". Das Karussell setzte sich wieder in Bewegung. Mir war das Feuerwehrfahren zu langweilig ge - * geworden. Ich setzte mich rückwärts auf einen Gaul, klammerte die Beine um dessen Bauch und begann aus vollem Halse "Ich will 'nen Cowboy als Mann" zu singen und zu spielen während Inge und Heidi das Feuerwehrauto besetzt hielten und mich mit der Hupe begleiteten. Plötzlich befanden sich auf dem Karussell noch andere Cowboys und Cow— girls. Der Karussellbesitzer bekam alle Hände voll zu tun, um das Geld zu kassieren.
Uns grinste er an, klopfte mir auf die Schulter und rief: "Ihr dürft kostenlos fahren"
Das Karussell drehte sich immer schneller und laut klang es in die Nacht hinaus:
"Auf meiner Ranch bin ich König".
Als ich am nächsten Morgen in der Jugendherberge aufwachte, stellte ich fest, daß ich auf dem Ritt zur Bonanza-Ranch mehrmals vom Pferd gefallen sein mußte, ich hatte überall blaue Flecken, alle Knochen taten mir weh und an meiner Laute fehlten 2 Saiten.
Das war der "Wilde Westen" ...
Doch nach diesen unbeschwerten Tagen, mußte unweigerlich' wieder der Ernst des All- tags kommen. Davon erzähle ich Ihnen das nächste mal.
Bis dahin herzlichst Ihre

