Bestand 
Protokolle der Stadtverordneten-Versammlung 1915-1919
Entstehung
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Nachtrag
Zu den vorseitigen Verhandlungen über die Aufstellung und Festsetzung des Rechnungsvoranschlags für das Rechnungsjahr 1917.

Zu I. Die Versammlung erklärt sich dem Beschlusse des Magistrats entsprechend damit nachträglich einstimmig einverstanden, daß auch für das Rechnungsjahr 1917 von Zahlung einer Tilgung der Darlehen bei:

1. der Schles. Boden Kredit Bank in Breslau
2. der Nass. Landesbank in Wiesbaden
3. der Kreissparkasse in Montabaur

abgesehen wird.
 
Der Stadtverordneten Vorsteher
Maßfeller
 
Die Stadtverordneten
Löb
Vollmar
Philippi

Blaum, Protokollführer
 
Veröffentlichung:
Meine Herren! Wie in der letzten Sitzung, so möchte ich mich auch dieses Mal wieder mit einem Apell an die Bürgerschaft wenden. Die rationierte Menge an Nahrungsmitteln, die für die sich nicht selbst versorgende Bevölkerung ausgeworfen ist, ist so eng bemessen, daß wir nur durch größte Beherrschung und Beschränkung den Aushungerungsplan unserer Feinde zuschande machen. Ruhe und Selbstbewußtsein sind die Eigenschaften des abgeklärten, gebildeten Menschens. Freude und Leid, Angenehmes und Schmerzliches wechseln täglich im Menschenleben ab. Beides sollen wir mit Würde entgegennehmen. Vor allem sollte man sich nicht von den Kleinigkeiten des Tages unterkriegen lassen. Was macht es aus, wenn wir einmal das Fleisch und Kartoffeln entbehren müssen? Ist es nicht schwach und erbärmlich, darüber zu jammern? Man mache aus der Not eine Tugend und übe sich in Mäßigkeit und Enthaltsamkeit. Dazu ist jetzt die günstigste Zeit. Es ist kein Zweifel, daß wir vorher aus Gewohnheit und Gleichgültigkeit zu viel und zu oft gegessen, daß wir der Kästigung durch Kartoffelgenuß zu viel Bedeutung beigemessen haben. Die schwer arbeitende, arme Bevölkerung soll hier ausgenommen sein. Aber alle anderen vom Mittelstand bis hinauf in die Kreise der Wohlhabenden und der Reichen hat die Kriegslage im Großen und Ganzen nur eine kleine, unbehagliche aber gesundheitlich und erzieherisch recht gut wirkende Abwechslung gebracht. Es schadet nichts, wenn wir sehniger, fester werden und auch nach dem Kriege unsere Nahrung und Lebensweise mehr darauf einrichten. Es ist kein Fehler, wenn wir etwas Wohlbehagen aufgeben und etwas ernster an uns arbeiten müssen. Wir müssen mehr lernen, die gewohnten kleinen Annehmlichkeiten des Tages zu entbehren und sie den großen Ideen der Gemeinsamkeit unterzuordnen. Wenn die Krieger aus dem Kriege aus den Schützengräben zurückkommen, um an unserer Seite den Kampf ums Dasein wieder neu zu beginnen, dann dürfen Sie, die tausendmal dem Tod ins Auge geschaut haben und das Leben zu beurteilen gewohnt sind, an uns keine verweichlichten Gestalten vorfinden. Wir sollen bemüht sein, durch Selbstzucht uns der Helden würdig zu erweisen.